"Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine kluge Frau"
Mit der Themenüberschrift „Verkannte Frauen am Beispiel verschiedener Epochen“ lud die kfd Ottersdorf am Freitag, 4. November, zum traditionellen Frauenfrühstück ein.
Als Referentin konnte Frau Marlis Camboni gewonnen werden. Der Einladung folgten über 50 Frauen, die sich nach der Begrüßung durch Monika Höllig zunächst am Frühstückstisch bedienen durften.
Dass es Frauen Anfang des 19. Jahrhunderts nicht leicht hatten, zeigte Marlis Camboni anhand von vier Porträts, beginnend mit
Fanny Hensel Mendelsohn-Bartholdy (1805-1847), die als ältestes von vier Kindern in einer musikalisch begabten, jüdisch, großbürgerlichen Familie aufwuchs. Als hochbegabte Komponistin und Pianistin wurde sie in einer Zeit geboren,´in der es für Frauen aus gutgestellten Familien als unschicklich galt, eine berufliche Tätigkeit aufzunehmen. Ihrem Durchsetzungsvermögen war es zu verdanken, dass sie eigene Kompositionen präsentieren und auch dirigieren durfte.
Ihre eigenen Werke wurden von ihrem bekannteren Bruder Felix Mendelsohn-Bartholdy, als eigenes Werk ausgegeben, ohne auf die Urheberin hinzuweisen. Erst 1846 brachte Fanny ihre eigenen Werke offiziell über einen Musikverlag heraus. Mit 42 Jahren starb sie an einem Hirnschlag.
Camille Claudel (1864-1943), die 1864 in eine gutbürgerliche Familie hineingeboren wurde, hatte einen schweren Start. Denn die Mutter lehnte das Mädchen ab, da sie sich einen Sohn erhoffte. Camille zeigte schon früh Interesse für Skulpturen und begann selbst zu modellieren. Trotz Talent durften Mädchen die Pariser Kunstakademie damals nicht besuchen. In einer privaten Kunstschule lernte sie Auguste Rodin als Lehrer kennen. Es kam zu einer Liebesbeziehung, die sich als sehr schwierig und kompliziert darstellte, da sie sich in völliger Abhängigkeit zu ihm befand. Andererseits arbeiteten sie viel zusammen. Nach jahrelanger Beziehung trennte sie sich von Auguste, erkrankte kurz darauf an sog. Paranoia. Sie verbrachte 30 Jahre in verschiedenen psychiatrischen Anstalten, einzig ihr Bruder Paul, einer der renommierten französischen Schriftsteller hielt Kontakt zu ihr. Nach ihrem Tod 1943 wurde sie weltweit als geniale Bildhauerin gefeiert. Ihre hochgeachteten Werke sind in posthumen Ausstellungen zu sehen.
Clara Immerwahr (1870-1915) studierte als eine der ersten Frauen in Deutschland Chemie, trotz Widerstands zahlreicher Professoren und Kommilitonen. Sie schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab, heiratete ihren Studienkollegen und späteren Professor für Chemie an der TH Karlsruhe, Fritz Haber, und freute sich auf die gemeinsamen Forschungsarbeiten. Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse finden noch heute Anwendung in Batterien und batteriebetriebenen E-Autos. Ihre Erfolge sorgten zur damaligen Zeit jedoch für Ausgrenzung und Missgunst. Rückhalt durch ihren Ehemann gab es nicht. Sie prangerte ihn öffentlich an, als er das berüchtigte Senfgas, das im 1. Weltkrieg eingesetzt wurde, entwickelte. Nicht auf ihre Sorgen eingehend, erschoss sie sich bei einer Feier anlässlich des Senfgases im heimischen Garten unter anwesenden Politikern und Wissenschaftlern.
Last but not least, Mileva Maric (1875-1948), die junge Serbin studierte als einzige Frau ihres Jahrgangs, die Mathematik und Physik am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Hier lernte sie den deutschen Studenten Albert Einstein kennen, den sie 1903 heiratete und von dem sie ein Kind bekam. Zwei weitere Kinder folgten. Mileva unterstützte ihren Mann bei Forschungsarbeiten. Etliche Biographen sehen sie als Autorin von frühen Schriften oder zumindest als kompetente Mitautorin von Albert Einsteins wissenschaftlichen Texten, der sie jedoch weder würdigte noch erwähnte. Wie groß ihr Anteil an der Erforschung der Relativitätstheorie ist, lässt sich nicht eindeutig feststellen. 1919 wurde die Ehe geschieden. Mileva starb 1948 vereinsamt in Zürich. Die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich ehrte sie 2005 posthum als offizielle Mitentwicklerin der Relativitätstheorie.
Marlis Camboni hob diese vier Porträts stellvertretend für alle begabten Frauen in der damaligen Zeit hervor, die aufgrund gesellschaftlicher Ideologien nicht gebührend wahrgenommen wurden, und die es auch heute noch in verschiedenen Kulturen geben mag.
Mit einem großen Dank an Frau Camboni für den sehr spannenden und kurzweiligen Vortrag verabschiedete die kfd ihre Gäste.