Nachlassende Sehkraft tritt oft unerwartet ein und stellt die Betroffenen, aber auch die Angehörigen und Freunde vor große Fragen und Herausforderungen. Wie ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben trotz Sehbehinderung möglich ist, darüber referierte Hans Kühn, auf Einladung des Gemeindeteams
am 24. September im Gemeindehaus.
Unterteilt in 3 Positionen begann Hans Kühn seinen Vortrag mit „der Macht der Gedanken“.
Man ist soweit eingeschränkt, wie man sich selbst einschränkt bzw. von anderen Personen einschränken lässt.
Hierbei helfen positive Gedanken, heißt, die Krankheit anders zu bewerten. Entspannen und ängstliche Stimmen zum Schweigen bringen, Katastrophenbilder aus dem Gedächtnis verbannen, sich optimistisch mit dem Krankheitsbild auseinandersetzen, störende Gedanken ausschalten und dem Gehirn und der Seele eine Atempause gönnen, das waren nur einige Tipps des Referenten. Das hört sich im Augenblick einfach an, denkt man. Wenn man ein „das geht nicht“ oder „das kann man nicht, weil man blind bist“ gleich verinnerlicht, ohne es auszuprobieren, wird es schwer haben, seine Behinderung anzunehmen und das Leben positiv zu gestalten.
Deshalb ist die Akzeptanz der Krankheit sehr wichtig.
Welche Chancen und Hilfen es bei einer schleichenden Sehbehinderung bzw. einer Erblindung gibt, darüber wurde in der 2. Phase des Vortrags umfassend informiert. Neben den Möglichkeiten von Sehhilfen, wie Lupen, Brillen oder Trainingskurse, gibt es Sehbehindertenverbände an die man sich wenden und Hilfe erwarten kann.
Bei all der Krankheit spielt der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle im 3. Aspekt des Vortrags.
Wer glaubt, keine Zeit für die Warnsignale seines Körpers zu haben, wird irgendwann zum Kranksein Zeit haben müssen. Dass Zeit relativ ist, also abhängig vom Beobachter, hat schon Albert Einstein gesagt. Zeit wird unterschiedlich wahrgenommen. Das Wahrnehmen von Zeit in Gesundheit und Krankheit unterscheidet sich enorm. Hat ein Patient Schmerzen und wartet auf die Visite, wird ihm die Zeitspanne sehr lang vorkommen. Einem Mediziner, der sich vielen kranken Menschen widmen muss, wird sie hingegen zu kurz vorkommen. Am meisten aber stresst der Zeitdruck. Der ist weder für einen gesunden noch für einen kranken Menschen gut.
Achtsam mit sich umgehen war das Credo des unglaublich spannenden und außergewöhnlichen Vortrags, der mit der berührenden Geschichte über Wahnsinn und Liebe endete.
Ein großer Dank gilt Herrn Hans Kühn, seiner Frau und den reichlich interessierten Gästen.
Das Gemeindeteam Ottersdorf