Kirchenchor Plittersdorf löst sich auf / Sänger schließen sich Ottersdorf an
Eine Ära geht zu Ende: Bei der Generalversammlung des Cäcilienvereins St. Jakobus Plittersdorf beschlossen die Sängerinnen und Sänger, den traditionsreichen Kirchenchor der Riedgemeinde
nach 128 Jahren zum 1. Januar 2023 aufzulösen.
Kein Wunder, dass bei der Sitzung Wehmut aufkam. Letztlich blickten die Aktiven aber optimistisch in die Zukunft, denn sie singen weiter – unter dem Dach des Kirchenchors Ottersdorf.
„Eigentlich ändert sich nichts“, stellte Winfried Müller, erster Vorsitzender des Kirchenchors Plittersdorf fest, da bereits seit drei Jahren eine Kooperation mit dem Ensemble in Ottersdorf bestehe. „Wir waren sehr froh und dankbar, dass Erwin Groß sich nach dem Weggang von Dirigent Marcus Kremer bereit erklärt hat, auch den Plittersdorfer Chor zu übernehmen“, blickte Müller zurück. Seither proben die Chöre gemeinsam und gestalten gemeinsame Auftritte. „Von Anfang an war die Zusammenarbeit sehr harmonisch. Wir fühlen uns wohl in Ottersdorf, so der Vorsitzende.
Nach wie vor haben beide Chöre aber noch getrennte Verwaltungen, wie Müller darlegte. Da in Plittersdorf vier Verwaltungsmitglieder ihre Ämter aus Altersgründen nicht mehr weiterführen wollten, sei eine Kooperation in der bisherigen Form nicht mehr möglich, erläuterte er und stellte die Versammlung vor die Wahl: eine Fusion der beiden Riedchöre oder die Auflösung der Plittersdorfer Cäcilienvereins sowie der Beitritt der Sänger zum Ottersdorfer Chor.
Müller plädierte für die Auflösung: „Das ist am sinnvollsten.“ Der Altersdurchschnitt der Aktiven in Plittersdorf liege aktuell bei 76 Jahren. Aktuell bestehe der Chor aufgrund von altersbedingten Abmeldungen nur noch aus 15 Personen, Tendenz weiter sinkend. Der Aufwand einer Fusion lohne sich daher nicht.
Gottesdienste in Plittersdorf werden weiterhin mitgestaltet
Müller verlas eine aufmunternde Botschaft von Marlis Camboni, erste Vorsitzende des Cäcilienvereins in Ottersdorf, in der sie die Plittersdorfer Sänger willkommen hieß: „Wir freuen uns auf euch als voll gleichberechtigte Chormitglieder“, schrieb sie. Dirigent Erwin Groß unterstrich, dass sich nach der Auflösung an der bisherigen Praxis nichts ändern werde. Es würden weiterhin auch Gottesdienste in Plittersdorf mitgestaltet. Präses Gerold Siegel, der zum Auftakt der Generalversammlung mit integrierter Cäcilienfeier auch einen Gottesdienst in der Kirche zelebriert hatte, ermutigte die Chorgemeinschaft, nach vorne zu blicken: „Im Abschied liegt auch immer ein Aufbruch und eine Chance für etwas Neues.“ Dass Kirchenchöre gemeinsam sängen, liege im Trend. So probten inzwischen auch Iffezheimer und Wintersdorfer Sänger gemeinsam.
In der Diskussion vor der Abstimmung gaben sich die Mitglieder pragmatisch. Der Beschluss für die Auflösung erfolgte einstimmig. Gerhard Müller, zweiter Vorsitzender und Kassier, resümierte: „Wir müssen nicht allzu traurig sein, sondern froh und dankbar für 128 schöne und wertvolle Jahre im Dienste der Kirchenmusik.“
Der folgende Bericht von Schriftführerin Waldtraud Oberle und der Kassenbericht von Gerhard Müller fielen coronabedingt kurz aus. Die Verwaltung wurde einstimmig entlastet.
Weitere Höhepunkt der letzten Generalversammlung des Cäcilienvereins Plittersdorf bildeten das gemeinsame Abendessen und die Ehrungen. Winfried Müller zeichnete Horst Schneider, Paul Prüms und Werner Schneider für 60-jährige Mitgliedschaft aus und konnte dieses Jubiläum auch selbst begehen (siehe gesonderten Artikel). Über Urkunden und Geschenke freuten sich zudem Christa Müller für 50-jährige Treue sowie Maria Köppel und Herbert Müller, die dem Chor 40 Jahre angehören.
Bei seiner letzten Generalversammlung ehrte der Kirchenchor Plittersdorf Sängerinnen und Sänger für 60-, 50- und 40-jährige Mitgliedschaft. Dirigent Erwin Groß (Zweiter von rechts) und Präses Gerold Siegel (Vierter von rechts) gratulierten. Foto: Nora Pallek












