Verfasser: Pfarrer Wolfgang Storf, anlässlich der Heimattage 1982
Die Pfarrgemeinde St. Ägidius
Die lange und ereignisreiche Geschichte unserer Pfarrgemeinde (selbständige Pfarrei seit 1415) kann mit diesen Zeilen nicht zur Darstellung kommen. Vielmehr soll die heutige Situation unserer Pfarrgemeinde (1928 Katholiken bei 2200 Einwohnern) kurz umschrieben werden.
Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 1965) hat die Verantwortung der Christen und ihrer Gemeinden "in der Welt von heute" unmissverständlich herausgestellt. Jede christliche Gemeinde gründet in Jesus Christus, der gekommen ist, "die Frohe Botschaft zu verkünden" (Lk 4,18). Jede Pfarrgemeinde soll werden, was die Kirche als ganze ist und sein soll: Kraftfeld des Geistes Jesus, Anbruch der Gottesherrschaft, Ort der Menschenfreundlichkeit Gottes und Grundlegung der kommenden mit Gott versöhnten, gerechten und glücklichen Welt.
Wenn nicht alles trügt, erleben wir heute den Übergang von einer Volkskirche, der man noch selbstverständlich angehörte, zu einer Kirche, für die man sich persönlich entscheiden muss. Wer ein Christ sein will, wird sich dazu immer wieder entscheiden müssen. Auch nicht wenige Christen, die sich die Lehre und Praxis der Kirche nicht mehr voll zu eigen machen, blicken dennoch mit Erwartungen auf die Kirche. So wird die Kirche und damit unsere Pfarrgemeinde einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert haben als früher.
Die Mitarbeit der Laien im Pfarrgemeinderat, im Stiftungsrat, in den vielfältigen Diensten unserer Pfarrgemeinde, in der Frauengemeinschaft, in der Jugend, im Kindergarten, im Altenwerk und bei der Betreuung der kranken und gebrechlichen Menschen sind unverzichtbar geworden. Der Anschluss an die Sozialstation St. Elisabeth in Rastatt erfolgte zum 1. Januar 1977.
Ursprung und Lebensmitte unserer Pfarrgemeinde aber ist und bleibt das Ostergeschehen, von dem im Gottesdienst in der Pfarrkirche die Lebensäußerungen ausgehen und worauf sie zulaufen. Die noch teilnehmenden Gemeindemitglieder (ihre Zahl nimmt leider ab!) erfahren, wie bereitwillig Lektoren, Kantoren, Kommunionhelfer, Organisten und Kirchenchor unsere Gottesdienste mitgestalten.
Die große Schar der Ministranten weiß sich auch außerhalb der Gottesdienste verantwortlich als Sternsinger und für unser Jugendhaus (seit 1970) in Ottenhöfen-Furschenbach.
Unsere Pfarrkirche wurde 1977 außen renoviert und die Sakristei 1978 erweitert. Bis zur 150 Jahrfeier 1984 soll sie innen renoviert und restauriert werden.
Das Gemeindehaus (erbaut 1971/72) ist der Ort der zwischenmenschlichen Begegnungen unserer Pfarrgemeinde. Die Pfarrbücherei ergänzt das Angebot des Kath. Bildungswerkes und der Gemeindekatechese.
Im Religionsunterricht bemühen sich unserer Lehrerinnen und Lehrer in zeitgemäßer und gediegener Weise, den Glauben zu vermitteln.
59 Jahre nach Pfarrer Joseph Müller (1977) wurde Gerold Siegel (Religionslehrer in Eberbach) 1973 zum Priester geweiht und konnte mit uns Primiz feiern. Wer wird ihm folgen?
Infolge des Mangels an neuen Ordensberufen hat die Provinzoberin der „Barmherzigen Schwestern vom Hl. Kreuz“ in Hegne 1974 unsere Schwesternstation unwiderruflich gekündigt. Durch ernsthaftes Bemühen konnte die Aufhebung bis jetzt noch verhindert werden. Sicher hat das einmalige Ereignis des dreifachen Profeßjubiläums 1980 dazu beigetragen.
Aus unserer Pfarrgemeinde sind als Ordensschwestern tätig:
Sr. Judith (Rosa Götz) in Hegne,
Sr. Lea (Luise Ott) in Bühl-Altschweier,
Sr. Veneranda (Mathilde Müller) in Rheinfelden-4,
Sr. Ruth (Stefanie Groß) in Singen,
Sr. Marielda (Elisabeth Groß) in Baden-Baden,
Sr. Petrosa (Johanna Steinacker) in Oberkirch,
Sr. Rosina (Hilda Fritz) in Chile,
Sr. Agnes Wahl, Provinzassistentin in Trier.
Wer wird diese Tradition fortsetzen?
Unsere Pfarrgemeinde hat ihre Kraft und Energie nicht nur für eigene Probleme eingesetzt oder nur Kirchturmpolitik betrieben. Über viele Jahre hinweg haben wir Hilfe geleistet für das griechisch-katholische Pfriesterseminar Zagreb und die Ausbildung eines jugoslawischen Priesters ermöglicht, der 1975 seine Nachprimiz mit uns feierte. Auch unsere Jugend unterstützt seit Jahren tatkräftig die Missionsarbeit von Sr. Rosina in Chile.
Kirchliche Arbeit ist die Erfüllung des Auftrags Christi: die Verkündigung des Wortes Gottes, die Feier der Liturgie und Spendung der Sakramente, der Dienst christlicher Liebe in Gemeinde und Gesellschaft. Jeder Zeit ist es aufgegeben, diesem Auftrag gerecht zu werden. Das ist in unserer heutigen Situation durch Arbeitsteilung und Zusammenarbeit in der Pastoral besser möglich. Diesem Ziel gemeinsamer Erfüllung pastoraler Aufgaben dient die Errichtung des Pfarrverbandes Rastatt durch Erzbischof Dr. Oskar Saier seit 1. September 1981, zu dem unserer Pfarrgemeinde gehört.
Aufgrund unseres Glaubens an Gott, der das Heil alles Menschen will und in der Menschwerdung Jesu Christi unsere Welt endgültig bejaht hat, wissen wir, dass die erhoffte neue Welt nicht das Ergebnis bloß menschlicher Eigenleistung sein kann. Was us trotz allem gelingt und zum, Wohl der Pfarrgemeinde beiträgt, wissen wir als Christen von Gott geschenkt; es bleibt dem zu danken, „der das Wollen und das Gelingen in uns wirkt“ (Phil 2,13)