Kirchenchor wird 160 Jahre alt
Gerhard Walter zum Ehrenchorleiter ernannt.
Wiederum liegt ein bewegtes Jahr hinter dem Kirchenchor und der Chorgemeinschaft Iffezheim Ried.
Nachdem die vergangenen Jahrzehnte eher von Kontinuität hinsichtlich der Chorleitung geprägt waren gab es nach 2022 im abgelaufenen Kalenderjahr 2023 erneut einen Wechsel in der Chorleitung. Auf Raphael Vilgis und Selina Weissenberger welche beide wegen Studium bzw. Arbeitsplatz in Stuttgart gebunden sind folgte ab Ende Juni Wolfram Walter als neuer Chorleiter. Mit ihm kehrt ein alter Bekannter in neuer Funktion in den Chor zurück. Die Vorsitzenden Rudi Fritz aus Wintersdorf und Meingold Merkel aus Iffezheim zeigten sich sehr erfreut darüber, dass mit Wolfram Walter ein Chorleiter gefunden werden konnte der den Chor seit vielen Jahren kennt und ein gutes Gespür für das Leistungsvermögen des Chores hat.
Darüber hinaus hat der Name Walter in Iffezheim einen besonders guten Klang steht er doch für den gepflegten Chorgesang.
Im Jahr 2023 konnte der Iffezheimer Chor auf stolze 160 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken. Dies ist zwar kein Jubiläumsdatum aber immerhin eine runde Zahl.
Anlässlich des Cäcilientages am letzten Sonntag des Kirchenjahres gestaltete die Chorgemeinschaft Iffezheim-Wintersdorf unter dem neuen Chorleiter Wolfram Walter den Gottesdienst mit. An der Orgel spielte Helena Loran und auf der Trompete Johannes Merkel. Die Gottesdienstbesucher hatten sichtlich Freude an dem Chorgesang und unterstrichen dies mit einem kräftigen Applaus am Ende des Gottesdienstes.
Im Anschluss trafen sich die Sängerinnen und Sänger sowie ehemalige Chormitglieder im Kolpingshaus zu einem Sektempfang.
In einer kurzen Ansprache ging der Vorsitzende Meingold Merkel kurz auf die wechselvolle Geschichte des Chores ein. Der Chor stand durch seine öffentlichen Auftritte außerhalb des Kirchenraumes auch immer im Reigen der anderen Iffezheimer Vereine. Als katholischer Kirchenchor war der Verein aber in erster Linie immer auch ein sakraler apostolischer Verein und streng genommen eine Einrichtung der Pfarrgemeinde Sankt Birgitta Iffezheim. Alleine dadurch hat er schon ein Alleinstellungsmerkmal. Während der Chorleitertätigkeit von Gerhard Walter hat der Chor in den letzten drei Jahrzehnten eine beachtliche Entwicklung genommen. Beim 150 jährigen Jubiläum vor 10 Jahren hatte der Chor eine Größe von 74 Sängerinnen und Sängern. In diesen Zeitraum fallen auch zwei Konzertreisen in die italienische Partnergemeinde Mondolfo Marotta. Unvergesslich sind die Auftritte in der Basilika vom Heiligen Haus in Loreto in den Marken und in der Basilika San Francesco in Assisi.
Im Zusammenwirken mit dem Kammerorchester Ötigheim wurden auch immer wieder große Messen wie der Messias von Georg Friedrich Händel, die Paukenmesse -Missa in tempore belli- von Josef Hayden oder die Spatzenmesse von Wolfgang Amadeus Mozart gesungen.
In den darauffolgenden Jahren reduzierten sich die aktiven Sängerinnen und Sänger so dass der Chor wieder auf ein“ Normalmass“ zurückging.
Sehr erfreulich war dann das Zusammengehen des Iffezheimer und des Wintersdorfer Chores zu einer Chorgemeinschaft. Rudi Fritz und Meingold Merkel haben dies damals so formuliert: Jetzt wächst zusammen was zusammen gehört.
In seiner Ansprache ging der Vorsitzende auch auf die aktuelle Krisensituation der Kirche in Deutschland ein. Der Glaube in Europa verdunstet, die Kirchenaustritte schnellen in die Höhe und die Gottesdienste sind demgemäß nur noch sehr spärlich besucht. Braucht es da überhaupt noch einen Kirchenchor?
Er stellte fest, dass die Sängerinnen und Sänger selbst diese Frage mit einem eindeutigen ja beantworten in dem sie nämlich jeden Dienstag mit Freude in die Chorprobe gehen und so die Musika Sakra weiter pflegen und in eine hoffentlich gute Zukunft weitertragen dürfen. Er stellte weiterhin fest, dass die Christen immer von der Hoffnung und der Zuversicht leben. Dies entspricht nämlich ihrem Selbstverständnis. Als Kirchenchor und als Chorgemeinschaft werde man weiterhin mit Freude „in die Welt hinaussingen“, weil die Zukunft Jesus heißt und der Mensch ein neuer Mensch werde durch Jesus Christus. Dies ist Haltung und Auftrag der Chorgemeinschaft zugleich.
Im Anschluss an die Ausführungen des Vorsitzenden wurde auf 160 Jahre Kirchenchor Sankt Birgitta Iffezheim angestoßen.
Anschließend stand dann eine ganz besondere Ehrung auf dem Programm.
Der Kirchenchor Sankt Birgitta Iffezheim ernannten seinen langjährigen Chorleiter Gerhard Walter zum Ehrenchorleiter.
In seiner Ansprache würdigte Meingold Merkel die außerordentlichen Verdienste von Gerhard Walter welcher 33 Jahre von 1985 bis 2018 den Iffezheimer Kirchenchor geleitet hat. In der 160Jährigen Geschichte des Chores gab es keinen Chorleiter der eine längere Tätigkeit nachweisen kann. Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch, dass Gerhard Walter schon vor 1985 13 Jahre den Ötigheimer Kirchenchor geleitet hat. Er kommt somit auf eine Chorleitertätigkeit von 46 Jahren. Die Verbindung zu den Freunden in Ötigheim insbesondere zum Kammerorchester Ötigheim mit Alfons Rieger hat auch in späteren Jahren in Iffezheim Früchte getragen. Immer wieder waren die Musiker des Kammerorchesters Ötigheim in Iffezheim zu Gast und haben den Iffezheimer Kirchenchor begleitet.
Du lieber Gerhard, so Meingold Merkel, hast in all den langen Jahren unseren Kirchenchor mit großem Können und Geduld geprägt. Motivierend und fordernd hast du es geschafft den Chor auf ein gesanglich hohes Niveau zu heben. Der Chor entwickelte sich zu einer selbstbewussten Gemeinschaft mit hohem Anspruch. Große Messen wurden unter Mitwirkung des Kammerorchesters Ötigheim gesungen. Eigentlich ist keine der Messen besonders hervorzuheben, aber der Messias von Georg Friedrich Händel und die Paukenmesse von Josef Hyden waren dann doch ganz besondere Glanzpunkte. Aber auch dem modernen Liedgut hat sich Gerhard Walter nicht verschlossen. In einer konzertanten Aufführung hat der Chor an Ostern 2018 z.B. moderne Chöre von Andry Snyder gesungen. Doch auch das vermeintlich einfache Liedgut wie die Bauernmesse mit ihren eingehenden Melodien an Weihnachten wurde einstudiert. Marie von Ebner Eschenbach formuliert hierzu: „Ein kleines Lied wie geht’s nur an, dass man so lieb es haben kann, was liegt darin erzähle. Es liegt darin ein wenig Klang ein wenig Wohllaut und Gesang und eine ganze Seele“.
Die Reise nach Italien und insbesondere der „improvisierte Auftritt“ in der Basilika von Loreto hat Gerhard Walter mit großem Können und Improvisationskunst gemeistert. Dieser Auftritt damals, in der voll besetzten Basilika hat die Herzen der Sängerinnen und Sänger ganz besonders berührt.
Aus heutiger Sicht etwas eher ungewöhnliches, aber damals für Gerhard Walter völlig normal, wurde auch das weltliche Liedgut gepflegt. In besonderer Erinnerung sind hier noch die Melodien von My Fair Lady die der Chor beim beim150 jährigen Jubiläum gesungen hat und viele Jahre vorher schon passend auf der Iffezheimer Rennbahn.
Die Ehrung welche der Vorsitzende zusammen mit Herrn Pfarrer Padinjarakadan vornahm wurde mit anhaltendem Applaus der Anwesenden untermalt. Zu Ehren von Gerhard Walter sang der Chor nochmals das Lied „Die Güte Gottes preisen“ welches zuvor schon im Gottesdienst gesungen wurde. Der Geehrte ergriff hierbei spontan den Taktstock und dirigierte letztmalig seinen Chor und die Chorgemeinschaft. Dies war zum Abschluss ein durchaus berührender Moment
V.l.n.r. hinten: Susanne Schäfer, Katharina Walter, Gerhard Walter, Meingold Merkel, Pfarrer Vincent Padinjarakadan, Wolfram Walter
V.l.n.r. vorne: Enkelkinder Theresa Walter, Miriam Walter